Aus der Schulpflege Rüschlikon

Häufig wird bei einem Neubeginn nach 100 Tagen eine erste Zwischenbilanz gezogen. Dieser Zeitraum ist für die Teilautonome Volksschule (TaV) Primarschule und Kindergarten Rüschlikon am 26. November abgelaufen. Es versteht sich von selbst, dass die exakt auf diesen Tag angesetzte Standortbestimmung der Steuergruppe auch im Zeichen des am Wochenende zuvor abgelehnten neuen Volksschulgesetzes stand - hätte dieses doch "teilautonome Schulen" definitiv in der kantonalen Gesetzgebung verankert. Aber weder der Schulleiter, noch die anwesenden Lehrpersonen und Mitglieder der Schulpflege liessen sich durch das Abstimmungsergebnis von der Überzeugung abbringen, dass die geleitete Schule das Modell der Zukunft ist und dass die begonnene Arbeit in Rüschlikon fortgesetzt werden soll.

Das Herzstück: Fünf konkrete Projekte der Schulentwicklung
Für das erste Jahr haben sich die Lehrpersonen an Primarschule und Kindergarten im Einvernehmen mit der Schulpflege fünf Bereiche vorgenommen, in denen die Schule weiterentwickelt und verbessert werden soll. Die ersten Zwischenberichte ergeben:

Unter dem Titel Schulleitung und Organisation geht es darum, von einer Schule, die sich an den einzelnen Lehrpersonen und ihren Klassen orientiert, zu einer Organisation überzugehen, die unter der Führung des Schulleiters und der Teamleiter/innen die Herausforderungen gemeinsam anpackt und den Schulalltag im Sinne der Leitbilder für Primarschule und Kindergarten gestaltet. Die ersten 100 Tage haben gezeigt, dass der Schulleiter gut aufgenommen wurde, dass bereits da und dort Entlastung spürbar wird, dass die Zusammenarbeit sich vielerorts ganz unkompliziert eingespielt hat - und dass natürlich auf der Ebene der Regelungen und Vereinbarungen im Detail noch viel zu klären ist.

Das Projekt Zusammenarbeit strebt in der Gestaltung des Schuljahres das Ziel an, die vielen klassen-, stufen- und schulhausübergreifenden Anlässe wie Projektwochen, Sporttage, Waldplausch, Adventssingen usw. möglichst so übers Jahr zu verteilen, dass keine Überbelastung einzelner Zeitabschnitte entsteht und dass "normaler" Schulbetrieb und "besondere Anlässe" ein gutes Gleichgewicht bilden.

Bereits aktiv geworden ist die Arbeitsgruppe Schulraum als Lebensraum. Um den Wechsel der Jahreszeiten bewusst und erfahrbar zu machen, beschloss sie, am Herbstanfang auf allen Pausenplätzen Most auszuschenken und im Advent eine Adventsfenster-Aktion durchzuführen. Je nach Winter sollen auch Schnee und Eis kreativ genutzt werden - und bis im Frühling wird zweifellos auch wieder eine gute Idee "aufblühen".

Die Gruppe, die sich mit der Schnittstelle Kindergarten-Schule befasst, strebt einen möglichst harmonischen, kinder- und elternfreundlichen Übergang zwischen den beiden Stufen an. Die Eltern sollen so einbezogen werden, dass sie auch ihre Wünsche und Eindrücke einbringen können, ohne jedoch unnötig mit Terminen oder Informationen überhäuft zu werden.

Das fünfte Teilprojekt läuft unter dem Titel Hospitation. Es geht dabei um gegenseitige Unterrichtsbesuche innerhalb der Lehrerinnen- und Lehrerteams. Auf diesem Weg lernen die Lehrpersonen voneinander, erhalten sie Rückmeldungen von Fachkollegen und verstärken die Zusammenarbeit im "Kerngeschäft" des Unterrichtens. Auch dieses Projekt wird bereits im Dezember umgesetzt.

Der Motor: Schul- und Teamleitungen
Um diesen grossen Entwicklungsschub realisieren zu können, der neben dem bereits vollen Schulalltag zu bewältigen ist, sind zusätzliche Energien unerlässlich: Ohne Schulleitung ist es nicht möglich, die vielen notwendigen Entwicklungen nicht nur anzupacken, sondern auch zu koordinieren und Schritt für Schritt im Alltag zu verankern.
Jürg Walter, der seine Arbeit im Sommer mit einem Pensum von 60% als Schulleiter und 20% als Lehrkraft aufgenommen hat, konnte sich an einem gut besuchten Informationsabend der Elternschaft vorstellen. Die Lehrpersonen, die zugleich seine Kolleginnen und Kollegen im Lehrerberuf und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der geleiteten Schule sind, attestieren ihm Geschick, ein gutes Gleichgewicht zwischen zuhören können und initiativ führen. Unterstützt wird er von zwei Teamleiterinnen und einem Teamleiter, die bereits länger in Rüschlikon unterrichten und deren Aufgabe es ist, bestimmte Führungs- und Koordinationsaufgaben zu übernehmen: Barbara Waser (Kindergarten), Marlise Beerli (Moos), Ruedi Kägi (Dorf).

Die Frage: Wie weiter?
Für eine präzise Antwort auf die Frage, was in Rüschlikon nach der Ablehnung des Volksschulgesetzes geschehen soll, ist es noch zu früh. Es gilt vorerst abzuwarten, welche Vorgaben die Bildungsdirektion und der Regierungsrat machen. Sobald konkretere Angaben vorliegen, wird die Schulpflege informieren. Bei Bedarf wird sie der Gemeindeversammlung einen Antrag unterbreiten, um die Schulentwicklung in unserer Gemeinde rechtlich und finanziell abzusichern. Aber schon die ersten 100 Tage zeigen: Hier wurde ein Anfang gemacht, der eine Fortsetzung verdient - zu Gunsten der Bildung unserer Kinder und der Qualität unserer Schule.

Daniel Kosch