Kontakt
Personen
Klassen
Lage
Personen
Klassen
Lage
Jahresprogramm 10 / 11
Jahresplanung 10/11
Schulprogramm 10/13
Ferienplan 10 / 11
Ferienplan 11 / 12
Ferienplan 12 / 13
Schulsozialarbeit
Adventsfenster
Evaluationsbericht
Moos Bericht Gauklerwoche
Jahresbericht 09/10
Theater der 3. Klasse
2009/2010
2008/2009
2007/2008
2006/2007
2005/2006
2004/2005
2003/2004
2002/2003

     
     
 

Unheimliche Ereignisse auf der Schmuggleralpe

Sonntag, 11. Juli 2004, 10.59 Uhr: Gut gelaunt und nichts ahnend bestiegen 33 Dritt- und Viertklässler/innen und ihre Leiter/innen in Rüschlikon den Zug. Dieser brachte sie nach mehrmaligem Umsteigen an den bekannten Ferienort Dalpe im Tessin. Die Reise ist ja nicht weit, und so war man schon bald im Postauto, das vom Tal den Berg hochfährt. Neugierig reckten die Kinder ihre Hälse, und jedes wollte als erstes einen Blick auf das Dorf erhaschen. Doch was war das? An Stelle der Ortstafel "Dalpe" hing ein vom Wetter gebräuntes Kartonschild, das mit ungelenk gekritzelten Buchstaben das merkwürdige Wort "Schmuggleralpe" entziffern liess. Was sollte das bedeuten?


Die Antwort auf diese Frage erfolgte schneller als uns allen lieb war. Als wir uns dem Lagerhaus des Ferienkolonievereins Rüschlikon näherten, stellten einige gleich fest, dass das Haus von fremden Menschen bewohnt war! Tatsächlich: Eine freche Schmugglerbande hatte sich in unserem Haus eingenistet und hatte vor, die ganze Woche da wohnen zu bleiben! So blieb uns nichts anderes übrig, als uns zurückzuziehen. In einer hitzigen Diskussion berieten die Rüschliker Schulkinder und ihre Leiter/innen, was man in dieser Situation tun konnte. Die Polizei anzurufen schien uns zu gefährlich. So wurde beschlossen, einige Spione zum Haus zu schicken. Sie hatten die Aufgabe, alles was die Schmuggler unternahmen, zu erforschen. Hier folgt ihr Bericht:

Bereits am Sonntagabend konnte man beobachten, wie der Bandenchef alle Schmuggler zusammen rief und ihnen erklärte, was sie mit dem Schmuggelgut in ihren Geheimschachteln machen sollten. Sie durften ihre Kostbarkeiten zwar mit anderen Schmugglern tauschen, doch mussten sie auf die Zöllner acht geben, die jeden Abend Kontrollen machten und bestimmte Gegenstände beschlagnahmten. Auch wusste man nie genau, welche Sachen am Abend weggenommen würden. Es gab jedoch Hinweise darauf. Wenn man diese erriet, konnte man schnell die verbotene Ware loswerden, indem man sie gegen harmlosere Sachen eintauschte.


Es sollte sich dann zeigen, dass nicht alle Schmuggler die gleich gute Nase hatten, und manch einer hatte schon nach wenigen Tagen eine leere Schachtel! Doch es gelang einer jungen Schmugglerin, durch geschicktes Tauschen während der Woche sogar mehr Gegenstände als zu Beginn in ihrer Schachtel zu sammeln.

Am Montag waren die einen Schmuggler damit beschäftigt, Säckchen aus einem glänzenden Stoff zu nähen, in denen Schmuggelware verstaut werden konnte. Wie viele Löcher mussten da gestanzt werden, bis man die Kordel hindurch ziehen konnte! Von aussen betrachtet sah das alles ganz harmlos und friedlich aus, aber wer weiss, was die Gauner dabei im Schilde führten! Der Nachmittag war dann der körperlichen Ertüchtigung gewidmet. Schmuggler müssen fit sein, das weiss jedes Kind. So trainierten die Schmuggler in verschiedenen Disziplinen ihren Körper und am Abend mit verschiedenen Brettspielen ihre geistige Beweglichkeit und Listigkeit.


Am Dienstag beobachteten die Spione, wie sich die ganze Schmugglerbande mit beladenen Rucksäcken auf einen weiten Weg machte. Vorsichtig und unbemerkt nahmen die Rüschliker Kinder den selben Weg und folgten der Bande bis nach Piotta. Dort bestiegen die Schmuggler, als harmlose Touristen getarnt, die steilste Standseilbahn der Welt, die zum Ritom-Stausee hinaufführt.


Selbstverständlich folgten ihnen die Kinder in gebührendem Abstand. So sah man auf einer Strecke von nahezu einem Kilometer verteilt verschiedene Wanderergruppen dem See entlang und dann in die Höhe bummeln. Oben blies ein kalter Wind, und auch die Sonne versteckte sich, als wollte sie der Schmugglerei nicht zusehen. Einzeln machten sich die Schmuggler daran, ein vom letzten Winter liegen gebliebenes Schneefeld zu durchqueren, und manchmal rutschte einer aus. Es schien, dass einige auch absichtlich mehrmals den Abhang hinunter glitten, doch genau konnte man das nicht feststellen.


Die Bande machte dann Feuer am Ufer eines kleinen, kreisrunden Sees und briet in den Flammen merkwürdige Speisen, die man aus der Ferne nicht genau identifizieren konnte. Die einen Dinge waren länglich, braun und gekrümmt, andere ganz rund und eher rotgelb, wieder andere bräunlich und flach.


Sichtlich gestärkt machten sich die Schmuggler dann daran, mit ihren schweren Rucksäcken den Pass zu überqueren. Auf der anderen Seite stiegen sie hinunter und näherten sich einem einsamen Haus, das mit dem Schriftzug "Cardinal" bezeichnet war. Wohnte da wohl der Boss der Bande mit seinem Codenamen, was auf Deutsch übersetzt "Der Kardinal" heisst?


Wie dem auch sei - es schien nicht ratsam, in diesem Moment das unbekannte Haus zu betreten. Als die Schmugglerbande jedoch wieder gegangen war, trauten auch wir uns hinein. Unser Durst war allzu gross geworden und wir mussten nach Getränken fragen. Welche Überraschung: Die Schmugglerhütte war als ganz gewöhnliches Restaurant getarnt, angefüllt mit allen möglichen ausgestopften Tieren, vom Iltis bis zum Auerhahn! Die machten das ja schon sehr geschickt, wie wir anerkennend feststellen mussten. Der Inhalt der Schmugglerrucksäcke blieb jedoch unauffindbar. Gerne tranken wir, was unsere Leiterin und "Der Kardinal" uns servierten. Ohne noch eine weitere Spur von der Bande zu entdecken, kehrten wir dann zur Schmuggleralpe zurück.


Erst am folgenden Tag konnten wir die Spur der Schmuggler wieder aufnehmen, als sie erneut mit ihren Rucksäcken das Haus verliess. Doch wie leicht die Verfolgung diesmal war! Die Bande versuchte gar nicht, sich zu verstecken, sondern folgte dem alten Saumweg, der über die alte Zollstation, heute eine Ruine, durch die Piottino-Schlucht zum neuen Zollhaus "Dazio Grande" führt. Dieser Weg war auch auf unseren Karten eingezeichnet und so folgten wir ihnen ohne Mühe. Doch als schliesslich die letzten von uns in der Zollstation eintrafen, war von den Schmugglern nichts mehr zu sehen. Nur noch der Bandenchef, der einen verletzten Fuss hatte und eine junge Schmugglerin, die an Bauchweh litt und die deshalb mit einem Wagen gekommen waren, sassen unauffällig wie Feriengäste im Garten hinter dem Haus und lächelten, als wir schweisstriefend ankamen. Selbstverständlich gaben auch wir uns nicht zu erkennen. Zum Glück hatten uns einige Eltern etwas Geld gespendet, sodass wir uns wiederum mit reichlich Getränk erfrischen konnten.


An einem warmen Abend konnte man vor dem Haus etwas ganz Merkwürdiges beobachten. Die Schmuggler schienen sehr erschöpft zu sein. Das konnte man leicht feststellen. Doch was trieben sie da auf der Terrasse vor dem Haus? An verschiedenen Orten waren Einrichtungen aufgebaut, an denen sich die einzelnen Leute erholen und pflegen konnten, was mit dem alten Schmugglerwort "wellnessen" bezeichnet wurde. Die einen wellnessten barfuss zwischen Plastikgefässen mit warmem, lauwarmem und kaltem Wasser hin und her. Andere "peelten", mit einem Gemisch aus Flüssigseife und Vogelsand ihre Haut um sich dann an einem anderen Ort eine Hautsalbe selber herzustellen oder sich die Hände und Füsse mit Öl einreiben zu lassen. Es schien, als seien auch Schmuggler nicht unermüdlich und benötigten von Zeit zu Zeit etwas Pflege! Doch als das geschehen war, hatten sie durchaus wieder Energie für Volley-, Fuss- und Wasserball sowie andere Aktivitäten.

Am Donnerstag dann schien es, als hätten die Schmuggler unsere Spione entdeckt! Eine gewisse Nervosität wurde feststellbar, als die Schmuggler grosse Mengen an Esswaren zusammenpackten und auch Kochtöpfe aus Blech bereitstellten. Wollten sie etwa abhauen? Fast schien es so, als die ganze Bande schwer beladen das Haus verliess. Wieder verfolgten sie einige von uns unauffällig. Die Schmuggler zogen zum Fluss hinunter, in Richtung Faido, wie wenn sie den Talboden des Tessins erreichen wollten. Dann aber machten sie Halt und entzündeten zwei grosse Feuer. Waren das Signalfeuer, Rauchzeichen? Und für wen? Wir konnten beobachten, wie sie unter Anleitung einer Schmugglerin in den Kochtöpfen Wasser zum Sieden brachten und verschiedene Zutaten hineinwarfen! Hatten die nach dem kurzen Wegstück schon Hunger? Es schien nicht so zu sein, hüpften doch die meisten im Fluss von Stein zu Stein und erkundeten, wie man das Wasser stauen könnte. Das Verhalten der Schmuggler erschien uns immer rätselhafter...

Irgendwann aber kehrten alle zu den Feuern zurück, nahmen Gabeln aus einem Korb und schaufelten sich eine heisse Masse mit kleinen Stücken von braunen, klein geschnittenen Esswaren in den Mund. Darauf legten sie sich ins Gras und dösten. Offensichtlich hatte die Bande ihre Flucht aufgegeben, denn sie blieb während längerer Zeit an diesem Ort. Allerdings gelang es ihnen nicht, das Wildwasser zu stauen, obwohl sich fast alle darum bemühten. Das Wasser war auch allzu reissend. Glücklicher Weise stand ein gross gewachsener junger Mann in der Mitte des Flusses und half den Schwächeren hinüber. Wie schnell hätte es sonst geschehen können, dass jemand vom Wasser mitgerissen würde! Andere trauten sich nicht in Wasser, sondern bauten im hellen Sand eine kleine Stadt mit Hotels, Tennis- und Golfplätzen, Garagen und so weiter. Vermutlich sollte dies der Bauplan ihres zukünftigen Wohnortes zu sein. Die Schmuggler schienen einen guten Zusammenhalt untereinander zu haben, und jeder sorgte für die anderen, fast wie unter den Kindern in einem Schul-Ferienager!

Das Merkwürdigste schien uns aber noch bevor zu stehen! Am Abend räumten die Schmuggler den ganzen Esssaal leer und bauten auf einem Tisch glänzende und blinkende Apparate auf, die laute Musik von sich gaben. Dazu führten sie wilde Tänze auf, bei fast vollständiger Dunkelheit. Und die Mengen an verschiedenen Desserts, die von der Köchin an diesem Abend aufgetischt und von allen verschlungen wurden! Bedeutete dieses Verhalten etwas Besonderes?


Die Antwort auf all diese Fragen erhielten wir erst am folgenden Morgen. Da standen auf einmal fertig gepackte Koffern, Taschen und Rucksäcke vor dem Haus. Ein Mann lief mit Socken, Pullovern, Unterhosen und ähnlichem herum und fragte laut, wem diese Dinge wohl gehörten. Wir vermuteten, dass Schmuggler ein besonders kurzes Gedächtnis besitzen. Das hätte den grossen Vorteil, dass sie, wenn sie erwischt werden, gegenüber der Polizei niemanden verraten könnten!
Doch auch diese Frage konnte nicht restlos geklärt werden, denn auf einmal tauchte ein Mann in einem blauen Hemd auf und behauptete, er sei der Fahrer des Busses und, so schnell wie sie gekommen war, verschwand die Schmugglerbande mit all ihren Sachen den Weg hinauf. Bald war alles still und man hörte nur noch das ferne Brummen des grossen Busses, der die unheimlichen Menschen ausserhalb unserer Reichweite trug. Dass wir erleichtert waren, muss wohl nicht besonders erwähnt werden.

Wir waren etwas enttäuscht, dass diese spannende Zeit so schnell und unvermittelt zu Ende war. Aber nichts dauert ewig! Wir hatten zwar eine ereignisreiche Woche erlebt, jedoch nicht alle Geheimnisse der Schmugglerei lösen können. Und da nun hier nichts mehr zu tun war, machten auch wir uns wohl oder übel auf den Nachhauseweg. Beim Zurückblicken auf unseren schönen Ferienort entdeckten wir das altvertraute Schild "Dalpe" am Ausgang des Dorfes. Merkwürdig: Hatten die Schmuggler die vergilbte Kartontafel "Schmuggleralpe" wieder entfernt - oder hatten wir das alles nur geträumt???

 
   
Schneeschuhwanderung