Auszüge aus der Einleitung (S.
5-7): Was ist überhaupt Mut? Man ist versucht, Mut als
das Gegenteil von Angst zu nennen. Aber das ist nicht so. Wir
sind mutig, wenn wir trotz unserer Angst beherzt handeln. Das
Gegenteil von Angst ist allenfalls Gelassenheit oder Routine
oder Vertrauen. Ohne Angst also kein Mut. Es lohnt sich demnach,
auf das Thema Angst einzugehen.
Ob ein Kind ängstlich ist oder nicht, hat vor allem mit
den sozialen Bindungen zu tun. Kinder mit starken Bindungen
zu ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen wagen mehr - sie
wissen die Geborgenheit der Beziehung im Hintergrund, zu der
sie jederzeit zurückkehren können.
Die Schule kann eine starke Bindung zu den Eltern nicht ersetzen.
Aber die Schule hat die Möglichkeit, ängstliche Kinder
behutsam an sich selber, an andere Kinder und an die Welt heranzuführen.
So können Vertrauen und Mut wachsen.
Ängstliche Kinder zeigen weniger Explorationsverhalten,
sie sind häufig schüchtern, ihr soziales Annäherungsverhalten
ist gehemmt und ihr interaktives und kommunikatives Verhalten
ist eingeschränkt. Das kann zu Entwicklungsdefiziten führen.
In Leistungssituationen kann die Angst zu einer Teilung der
Aufmerksamkeit führen: Das Kind denkt an sich selber und
seine Angst. Die Aufmerksamkeit steht damit nicht mehr für
die Denkarbeit zur Lösung von Aufgaben zur Verfügung.
Knaben zeigen sich weniger ängstlich als Mädchen.
Bei der Untersuchung von Angstabwehr oder Angstkontrolle zeigen
sie aber höhere Werte. Das heisst Knaben sind nicht unbedingt
weniger ängstlich. Aber sie können Angst besser leugnen.
Abwehrmechanismen schützen uns nämlich davor, von
einer Angstreaktion überflutet zu werden. Verdrängung
und Verleugnung sind dabei die geläufigen Strategien.
Formen der Angst und des Mutes:
Existenzangst - Existenzmut Existenzangst thematisiert Bedrohungserlebnisse oder
bedrohte körperliche Unversehrtheit. Kinder haben Angst
vor dunklen Räumen und Gespenstern; zahlreiche Kinder-
und Schulbücher suchen die Auseinandersetzung damit und
stärken das Kind in seinem Existenzmut. Mit zunehmendem
Alter wechselt die Aufmerksamkeit der Kinder mehr und mehr von
der imaginären zur realen Welt. Die Angst vor Verletzung
kann dann sogar zum bewusst gesuchten Nervenkitzel werden (Jugendliche).
Soziale Angst - sozialer Mut
Soziale Angst entsteht in Gegenwart anderer. Schüchternheit,
Scham, Sprechstörungen oder -hemmungen, Einschränkung
der Gestik können die Folge sein.
Schule ist eine Zwangsgemeinschaft, das heisst, die Kinder und
Jugendlichen innerhalb einer Klasse haben sich nicht ausgesucht.
Für die einen Kinder ist es kein Problem, auf andere zuzugehen
und Beziehungen zu gestalten. Anderen fällt dies schwerer,
soziale Angst ist für sie allgegenwärtig. Gute Erfahrungen
in der Gruppe stärken den sozialen Mut.
Leistungsangst - Leistungsmut
Leistung ist ein fester Bestandteil der Schule. Die Angst vor
dem Versagen ist es auch. Die Leistungsangst ist eigentlich
eine Unterkategorie der sozialen Angst. Die Angst bezieht sich
auf die Bewertung der Leistung durch andere Personen. Es ist
vor allem die Angst vor Misserfolg. Diese Angst kann nur entstehen,
wenn negative Konsequenzen erwartet werden. Sie (als Lehrperson)
tragen viel zum Leistungsmut Ihrer Schülerinnen und Schüler
bei, wenn Sie fair auf ihre Fehler reagieren, wenn Sie Ihre
Anforderungen transparent machen und sich bemühen für
Ihre Klasse berechenbar zu sein.
Zusammengestellt von Jürg Walter 10. 9. 03
"Mutanfälle - Unterlagen für Unterricht und Ernstfall"
aus dem Jahresprojekt 2002/03 der Volksschulen im Kanton Aargau,
vollständig unter