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2003/2004
2002/2003

     
  Herausgegeben © 2002
Fachhochschule Aargau
Pädagogik/Weiterbildung
Beratungsstelle Gesundheitsbildung
Küttingerstr. 42, 5000 Aarau

Auszüge aus der Einleitung (S. 5-7):
Was ist überhaupt Mut? Man ist versucht, Mut als das Gegenteil von Angst zu nennen. Aber das ist nicht so. Wir sind mutig, wenn wir trotz unserer Angst beherzt handeln. Das Gegenteil von Angst ist allenfalls Gelassenheit oder Routine oder Vertrauen. Ohne Angst also kein Mut. Es lohnt sich demnach, auf das Thema Angst einzugehen.

Ob ein Kind ängstlich ist oder nicht, hat vor allem mit den sozialen Bindungen zu tun. Kinder mit starken Bindungen zu ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen wagen mehr - sie wissen die Geborgenheit der Beziehung im Hintergrund, zu der sie jederzeit zurückkehren können.
Die Schule kann eine starke Bindung zu den Eltern nicht ersetzen. Aber die Schule hat die Möglichkeit, ängstliche Kinder behutsam an sich selber, an andere Kinder und an die Welt heranzuführen. So können Vertrauen und Mut wachsen.

Ängstliche Kinder zeigen weniger Explorationsverhalten, sie sind häufig schüchtern, ihr soziales Annäherungsverhalten ist gehemmt und ihr interaktives und kommunikatives Verhalten ist eingeschränkt. Das kann zu Entwicklungsdefiziten führen. In Leistungssituationen kann die Angst zu einer Teilung der Aufmerksamkeit führen: Das Kind denkt an sich selber und seine Angst. Die Aufmerksamkeit steht damit nicht mehr für die Denkarbeit zur Lösung von Aufgaben zur Verfügung.

Knaben zeigen sich weniger ängstlich als Mädchen. Bei der Untersuchung von Angstabwehr oder Angstkontrolle zeigen sie aber höhere Werte. Das heisst Knaben sind nicht unbedingt weniger ängstlich. Aber sie können Angst besser leugnen. Abwehrmechanismen schützen uns nämlich davor, von einer Angstreaktion überflutet zu werden. Verdrängung und Verleugnung sind dabei die geläufigen Strategien.


Formen der Angst und des Mutes:

Existenzangst - Existenzmut
Existenzangst thematisiert Bedrohungserlebnisse oder bedrohte körperliche Unversehrtheit. Kinder haben Angst vor dunklen Räumen und Gespenstern; zahlreiche Kinder- und Schulbücher suchen die Auseinandersetzung damit und stärken das Kind in seinem Existenzmut. Mit zunehmendem Alter wechselt die Aufmerksamkeit der Kinder mehr und mehr von der imaginären zur realen Welt. Die Angst vor Verletzung kann dann sogar zum bewusst gesuchten Nervenkitzel werden (Jugendliche).

Soziale Angst - sozialer Mut
Soziale Angst entsteht in Gegenwart anderer. Schüchternheit, Scham, Sprechstörungen oder -hemmungen, Einschränkung der Gestik können die Folge sein.
Schule ist eine Zwangsgemeinschaft, das heisst, die Kinder und Jugendlichen innerhalb einer Klasse haben sich nicht ausgesucht. Für die einen Kinder ist es kein Problem, auf andere zuzugehen und Beziehungen zu gestalten. Anderen fällt dies schwerer, soziale Angst ist für sie allgegenwärtig. Gute Erfahrungen in der Gruppe stärken den sozialen Mut.

Leistungsangst - Leistungsmut
Leistung ist ein fester Bestandteil der Schule. Die Angst vor dem Versagen ist es auch. Die Leistungsangst ist eigentlich eine Unterkategorie der sozialen Angst. Die Angst bezieht sich auf die Bewertung der Leistung durch andere Personen. Es ist vor allem die Angst vor Misserfolg. Diese Angst kann nur entstehen, wenn negative Konsequenzen erwartet werden. Sie (als Lehrperson) tragen viel zum Leistungsmut Ihrer Schülerinnen und Schüler bei, wenn Sie fair auf ihre Fehler reagieren, wenn Sie Ihre Anforderungen transparent machen und sich bemühen für Ihre Klasse berechenbar zu sein.

Zusammengestellt von Jürg Walter 10. 9. 03


"Mutanfälle - Unterlagen für Unterricht und Ernstfall" aus dem Jahresprojekt 2002/03 der Volksschulen im Kanton Aargau, vollständig unter

http://aula.gesundheitsbildung-ag.ch/framesets/mutanfaelle.htm
 
 


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