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Mathe macht Musik

 
     
  von Mila Miodragovic
Im Schuljahr 2006/2007 wurde in den ersten Primarklassen in Rüschlikon versuchsweise das Fach „Mathe macht Musik“ (MmM) eingeführt. Grund dafür war die Einführung der vierstündigen Blockzeiten-Stundenpläne, verbunden mit dem vom Kanton vorgegebenen Wegfall einer Lektion Mathematik in der ersten Klasse. „Mathe macht Musik“ wird als zusätzliche Lektion, unter Berücksichtigung des Lehrplanes Mathematik und in Absprache mit den Klassenlehrkräften, unterrichtet.



Die Evaluation im Herbst 2007 hat ergeben, dass sich die MmM-Lektionen aus Sicht der Klassenlehrkräfte sehr bewährt haben. Den Kindern wird durch dieses ergänzende Angebot ein ganzheitliches Erleben von Mathematik unter Einbezug von Musik und Bewegung ermöglicht.
Aufgrund dieser Tatsachen fasste die Schulpflege den Beschluss, „Mathe macht Musik“ auf das Schuljahr 2008/2009 definitiv einzuführen.



Musik und Mathematik werden seit der Antike immer wieder als wunderbares Paar beschrieben. Diese glückliche Beziehung wurde jedoch selten mit der Grundschulmathematik in Verbindung gebracht. Viele mathematische Inhalte stecken jedoch in ihrer Grundlage voller Musik. Musik erlaubt nicht nur einen visuellen und verbalen Zugang zur Mathematik, sondern auch Erfahrungen im akustischen (Klang), kinästhetischen (Bewegung) und taktilen (Berührung) Bereich. Aktives Handeln und Erleben haben für Kinder im Grundschulalter einen hohen Stellenwert und können wichtige Lernwege zur Mathematik zugänglich machen.

Die aktuelle Hirnforschung bestätigt, dass Musik wie nichts sonst all unsere Hirnfunktionen beansprucht. Sowohl beim aktiven Musizieren, wie beim passiven Zuhören aktivieren wir eine grosse Menge neuronaler Netze in sämtlichen Hirnregionen. Musik fördert den Austausch von Wahrnehmung, Analyse und Empfindung. Kognitive und emotionale Zentren arbeiten wie von selbst zusammen und beanspruchen somit beide Hirnhemisphären gleichermassen. Wenn also Mathematik mit Musik verbunden wird, bleibt das Erlebnis, die mathematische Erfahrung nicht nur in einer Hirnregion haften, sondern vernetzt sich mit beiden Hirnhälften und verankert sich an verschiedenen Orten des Gehirns.

Zum Schluss ein kleines Beispiel: Über einige Wochen beschäftigen wir uns zwischen den Herbst- und den Weihnachtsferien mit der Zerlegung der Zahl 8. Als Einstieg machen wir ein Fingerspiel, „hüpfen“ also mit ein oder zwei Finger der einen Hand auf der Handfläche der anderen Hand: 2x die beiden Finger zusammen, 2x die beiden Finger auseinander und 4x nur mit einem Finger. Das ergibt die Rechnung 2 + 2 + 4 = 8. Dieselbe Abfolge hüpfen wir mit den Beinen, zuerst frei im Raum, dann auf den Zahlenteppichen, wo das Resultat dann einerseits visuell ersichtlich und anderseits durch den Körper erfahrbar gemacht wird. Mit Instrumenten begleiten die einen Kinder die anderen beim Hüpfen, jede Hüpfart wieder mit einem anderen Instrument, so dass die Rechnung auch hörbar wird. Zur Erinnerung schneiden die Kinder 8 Kringelkreise, entsprechend der Rechnung, auseinander und kleben sie ins Heft.





Quellen: Mathe macht Musik, Klett Verlag
Text von Ludwig Hasler aus der Süddeutschen Zeitung vom 21.5.2005

 
     
     
     
     
   
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