von S. Landolt /Kindergarten Suntenwiese
Beim Besuch in einem Kindergarten kann man feststellen, dass der Kindergartenalltag von vielen Ritualen geprägt ist: Wie begrüssen sich die Kinder, wie fängt ein Morgen im Kreis an oder wie gehen die Kinder nach Hause.
Warum aber bedient sich die Kindergärtnerin des Hilfsmittels Ritual? Für was sind Rituale gut und auch dringend notwendig?

Rituale sind so alt wie die Menschheit. Viele verbinden mit dem Wort Ritual alte Bräuche und Traditionen. Andere denken dabei an fremde Länder in denen Urvölker um ein Feuer tanzen. Rituale geben grundsätzlich dem Zusammenleben Struktur und Klarheit, früher wie auch heute.

Denkt man zum Beispiel an das gerade vergangene Weihnachtsfest, ist es doch in den meisten Familien ein Ritual, wer den Christbaum schmückt, was es zu essen gibt oder wie überhaupt das Fest gestaltet ist.
Sogar unser ganze Alltag ist geprägt von Ritualen wie die Morgentoilette, das Frühstück...Stellt man sich vor, man müsste jeden Tag von Neuem überlegen, wie man die Kleider anzieht, wo man sein Pyjama hinlegt oder was man frühstücken möchte, dann würde das sehr viel Zeit und Energie kosten. Man wäre den ganzen Tag damit beschäftigt, sich neu zu organisieren!

Manchmal ist ein Ritual vielleicht nur eine unreflektierte Gewohnheit, oft entsteht es aber auch bewusst und wohl überlegt.
Kinder lieben Wiederholungen, könnten sie doch die gleiche "Gute Nacht Geschichte" immer wieder hören. Es gibt da ganz besonders aufmerksame Kinder, die sogar merken, wenn die Geschichte gekürzt wird oder einige Formulierungen nicht stimmen.

Im Kindergarten gibt es sehr viele Rituale die einerseits der Organisation des Kindergartenalltages dienen, andererseits aber helfen, die Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen:
Ein Beispiel wäre da der Ämtliplan, der auf der einen Seite hilft die Kindergärtnerin zu entlasten, vor allem aber den Kindern ermöglicht, ihren Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten. Dieses Ritual hilft ihnen Verantwortung mit zu tragen und selbständig zu werden.
Die Verteilung des Spieles oder die Auswahl eines Spielangebotes helfen den Kindern zu lernen und erleichtern ihnen die Konzentration.
Rituale helfen den Kindern, spielerisch Regeln zu befolgen, Grenzen kennen zu lernen und schaffen somit Ordnung und Kontinuität.
Geburtstagsrituale stärken die Identität der einzelnen Kinder, für jedes Kind wird ein Fest organisiert, das immer den gleichen Ablauf hat.



Kinder schaffen sich sogar manchmal selber Rituale. In der Familienecke zum Beispiel wird eine Geschichte immer wieder gespielt. Dieselben Kinder nehmen dieselbe Rolle ein. Andere, nicht beteiligte Kinder sehen, was gespielt wird und übernehmen künftig dieses Spiel. Ein anderes Beispiel ist das Znüniritual. Ein Teil ist von der Kindergärtnerin geplant worden. Vielleicht werden die Täschli verteilt oder ein Lied gesungen...Wie aber der Znüni weiter verläuft, ist ganz von der Gruppe bestimmt. Es entstehen Rituale beim Teilen des Imbisses mit Freunden, beim erzählen von Witzen oder Geschichten - Rituale die oft über längere Zeit gleich bleibend sind. Oft übernehmen Kinder ganz unbewusst Rituale. Ein Beispiel ist dabei das Weitergeben der Rituale von Zweitkindergärtlern an Erstkindergärtler.

So sind Rituale im Kindergartenalltag ganz wichtige Stützpunkte. Das Wiederkehren von vertrauten Abläufen gibt den Kindern Ruhe und Sicherheit. Durch verlässliche und konsequente Regeln gewinnen die Kinder Kraft und Zuversicht. Rituale helfen den Kindern, sich gesund zu entwickeln.