28. Febr. - 4. März 2005

"Anna und der Löwe"
Eine Geschichte über Gefühle

 
 
von Regina Krüttli
Unsere Projektwoche "Prävention sexueller Ausbeutung" verfolgte das Ziel, die Kindergartenkinder zu stärken und sie zu befähigen, sich in möglichen Übergriffssituationen zu behaupten. Wir stellten den Kindern die Geschichte von Anna und dem bedrohlichen Löwen vor. Als erstes versuchten die Kinder Annas verschiedene Gefühle nachzuempfinden, zu benennen und in ihr Arbeitsheft zu zeichnen. So entstanden 5 verschiedene Gefühlsgesichter. Mit passenden Figuren wurden die Szenen anschliessend als Tischtheater nachgespielt und vertieft. In der Musikstunde konnten die Kinder Gefühle mittels Instrumenten und Pantomime darstellen. Auch wurden Memory- Situationskarten angefertig, mit denen spielerisch das Gelernte wiederholt und gefestigt wurde.
 
 



 
 


Über das Nein-Sagen
Hier eine Textstelle aus der Geschichte:
Plötzlich stand Anna einem Löwen gegenüber. Sie bekam einen Schreck, und ihre Angst war riesengroß. In diesem Augenblick erinnerte sie sich an die Stimme ihrer Mutter: "Wenn du große Angst hast, so atme dreimal tief durch und schreie ganz laut NEIN!!!!" Der Löwe war so beeindruckt dass er dreimal schluckte und sich setzte........

 
 



 
 


Beim Theater spielen und bei verschieden Fangisspielen wurde das laute, bestimmte NEIN lustvoll ausprobiert und die Wirkung war verblüffend. Ebenso Spaß machte die "Ja oder Nein Strasse." Ein Kind rollt bäuchlings mit einem Rollbrett langsam durch eine Reihe Kinder. Diese versuchen mit Massage-Igeln das Kind zu massieren, mit Federn zu kitzeln oder mit Gummiplatten Wind zu erzeugen. Die Durchfahrt des Kindes sollte so angenehm wie möglich gestaltet werden. Wenn das Kind bei der Durchfahrt eine Berührung unangenehm oder störend empfindet, muss es NEIN rufen und die Gruppe stoppt augenblicklich. Die Einsicht, dass das was ich selber als lustig und angenehm empfinde, nur für mich gilt und nicht unbedingt auch für die andern, ist wichtig und hilft auch im Alltag Konflikte zu vermeiden oder zu lösen.

 
 



 
 
Respekt verlangen
Leider wird das NEIN von selbstbewussten und starken Kindern - wie auch gelegentlich von Erwachsenen - nicht immer respektiert. Ein noch so lautes NEIN nützt manchmal nichts, wenn die andere Person größer und stärker ist, wenn sie nicht hören will oder einem Angst macht. Den Kindern deutlich zu sagen, dass es solche Situationen geben kann und zu betonen, dass ein Kind immer das Recht hat bei einem ihm vertrauten Menschen Hilfe zu holen, ist uns bei der Präventionsarbeit ein wichtiges Anliegen. Auch solche Situationen wurden in Rollenspielen eingeübt und die Kinder damit vertraut gemacht.
 
 
 
 


" Anna und der Löwe" aus "Grenzen" erschienen im ELK Verlag, Zürich 2000, von Joelle Huser und Romana Leuzinger